Episodenguide

Teaser

Akt 1

Akt 2

Akt 3

Akt 4


 

 

AKT 3

 

EINBLENDE:

 

AUSSEN. ÄGYPTISCHE STADT – TAG

 

Xena und Gabrielle gehen durch die Straßen einer geschäftigen ägyptischen Stadt, gekleidet in Roben, um nicht aufzufallen. Trotzdem erhalten sie vorsichtige Blicke von den Einheimischen.

 

GABRIELLE

Bekommst du das Gefühl, dass
wir beobachtet werden?

 

 

Xena weicht einem Kamel aus, das sie zu beißen versucht.

 

XENA

Ja.

 

In der Ferne kann man eine riesige Pyramide sehen. In der Stadt befinden sich viele Leute. Es ist laut und chaotisch und sowohl Xena als auch Gabrielle werden oft angerempelt.

 

GABRIELLE

Glaubst du, wir sehen zu anders aus?

 

Xena beobachtet zwei einheimische Frauen in zurückhaltenden Gewändern mit bedeckten Gesichtern, die aus einem abgedeckten, bewachten Brunnen Wasser schöpfen. Im Vergleich dazu sind ihre und Gabrielles Roben fast prächtig und sie beide tragen sichtbare Waffen.

 

XENA

Nee.

 

Gabrielle hält an, um zu beobachten, wie eine Anzahl wunderschön gekleideter Männer vor ihnen kreuzt, in Richtung eines großen Bauwerks auf der Kuppe eines nahen Hügels.

 

GABRIELLE

Ich denke, sie gehen zum Tempel,

Xena.  Das ist es, wo wir auch hingehen müssen.

 

XENA

Du bist sicher, dass dort das Auge ist?

 

 

Gabrielle sieht nicht hundertprozentig sicher aus.

 

GABRIELLE

Die Tafeln zeigten eine Göttin mit
ihm um die Taille, wie ein Gürtel.

 

XENA

Falls es dasselbe Ding ist.

 

Xena und Gabrielle sind gezwungen, anzuhalten, als ein Kamelzug vor ihnen kreuzt, der Männer in Wüstenroben trägt, die den ihren nicht unähnlich sind.

 

GABRIELLE

Ich kann nicht glauben, dass es
zwei so hässliche Glücksbringer geben soll.

 

XENA

Mm. Guter Punkt.

 

Die Kamele ziehen vorbei und Xena und Gabrielle überqueren die offene Fläche und folgen einem ständigen Strom von Einheimischen in die Richtung des gewaltigen Bauwerks auf dem Hügel.

 

GABRIELLE

Xena?

 

Gabrielle sieht zu den Reihen von Wachen in der Nähe des Gebäudes, die alle riesige, geschwungene Säbel tragen. Xena scheint interessierter an den engen, krummen Gassen, die sie dauernd passieren.

 

GABRIELLE

(weiter)

Wir werden da nicht einfach so reingehen

und bitten, mit ihrer Göttin zu sprechen, oder?

 

 

Xena zieht Gabrielle zu einer Seite der Straße, etwas aus der Menge heraus.

 

XENA

Nein.

 

Gabrielle scheint erleichtert.

 

XENA

(weiter)

Wir werden nicht fragen. Komm.

Ich denke, ich kenne eine Abkürzung.

 

Xena zieht Gabrielle eine Gasse entlang, gerade als einige der misstrauischen Einheimischen beginnen, auf sie zuzukommen.

 

GABRIELLE

(aus dem Off)

Oh nein. Keine Abkürzung.

 

SCHNITT ZU:

 

INNEN. ÄGYPTISCHER TEMPEL – UNBESTIMMTE ZEIT

 

Anubis kniet vor einem Altar. Darauf ruht das Chakram. Anubis' Augen sind geschlossen und beide Hände sind zu beiden Seiten in einer klassischen Pose erhoben. Offensichtlich ist er sehr auf etwas konzentriert.

 

Er ist alleine im Raum und doch flüstern Stimmen um ihn herum Wörter in einer unbekannten Sprache.

 

Das Chakram beginnt zu glühen und dann hört es unerklärlicherweise auf und kehrt zum Normalzustand zurück.

 

Anubis lässt seine Hände auf den Altar fallen. Er öffnet die Augen und sieht das Chakram mit etwas, was Erstaunen sehr nahe kommt, an.

 

Ares tritt ein, Qetesh im Schlepptau. Er schlendert zum Altar, mit einem Stirnrunzeln auf das Chakram schielend.

 

ARES

Ich fühle nichts un-Gutes hier.

 

Anubis faltet seine Hände in einer Pose der Selbstbeherrschung zusammen.

 

ANUBIS

Wie ich dir gesagt habe, ist dies ein
komplexes Problem.

 

ARES

Nein, ist es nicht.

 

Ares hält seine Fäuste ausgestreckt nebeneinander. Er hebt eine.

 

ARES

(weiter)

Gut.

 

Er hebt die andere.

 

ARES

(weiter)

Böse.

 

Er trennt seine Hände und öffnet sie zu einem übertriebenen Achselzucken.

 

ARES

(weiter)

Wo ist das Problem?

 

 

Anubis' Augen verengen sich und seine Hundelippen heben sich zu einem leichten Knurren. Er erhebt sich und geht wohlüberlegt von Ares weg, sich zu einem Brunnen in der Wand begebend, wo Wasser aus dem Mund einer Sphinx in eine Steinschale tropft.

 

Anubis studiert das Wasser, seinen Kopf leicht neigend, als ob er dessen Stimme zuhört.

 

QETESH

Was ist das?

 

Ares zeigt auf das Chakram.

 

ARES

Das? Ein großer runder Stachel in meinem Fleisch.

(Pause)

Genau wie seine eigentliche Besitzerin.

 

Anubis lehnt sich nach vorne, seine Arme in die Ärmel seiner Robe steckend, und schlabbert vornehm von dem Wasser.

 

QETESH

Wem gehört es? Ich dachte, es sei deins.

 

Anubis richtet sich auf und dreht sich um.

 

ANUBIS

Nein, es gehört nicht ihm. Es gibt hier eine Macht,
eine Stärke darin, die weit außerhalb
seiner schwachen Hinfälligkeit liegt.

 

ARES

Hey!

(zeigend)

Ich bin hier nicht derjenige, der
aus einer Hundeschüssel trinkt.

 

Anubis geht zurück zum Altar und kniet nieder.

 

ANUBIS

Qetesh würde die Macht darin
verstehen. Liebe bindet sie.

 

Anubis schließt seine Augen und nimmt seine Konzentration wieder auf. Ares verdreht die Augen und lehnt sich gegen den Altar.

 

ARES

Liebe. Nun mach mal einen Punkt.

 

 

Qetesh sieht in mit überraschtem Schrecken an.

 

QETESH

Du machst dich über mich lustig!

 

Qetesh eilt heraus. Ares dreht sich um, um Anubis zu beobachten, der in totaler Stille kniet. Nach einem Moment wedelt Ares mit seiner Hand vor Anubis' Schnauze. Es gibt keine Reaktion. Mit einem angewiderten Schütteln des Kopfes geht Ares.

 

Einen Moment später beginnt das Chakram erneut zu glühen. Dieses Mal erlischt es nicht.

 

SCHNITT ZU:

 

AUSSEN: ÄGYPTISCHER TEMPEL – GASSE DAHINTER- TAG

 

Dies ist ein dreckiger, stinkiger Ort voll mit Tempelabfällen und Müll. Eine Treppe führt von der Straße hinunter zu etwas, was aussieht wie Katakomben darunter.

 

Xena steckt ihren Kopf um die Ecke, geht dann auf die Treppe zu, während sich Gabrielle hinter ihr sorgfältig einen Weg durch den Müll bahnt.

 

GABRIELLE

Xena, wo sind wir?

 

Xena sieht sich in dem dreckigen Ort um. Sie lächelt bei der Erinnerung an das letzte Mal, das sie ihn gesehen hat.

 

XENA

Wir können auf diesem Weg in
den Tempel gelangen, ohne dass wir gesehen werden.

Komm. Der einzige Nachteil....

 

GABRIELLE

Außer dem Geruch?

 

XENA

Hoffe, du magst Ratten.

 

 

Gabrielle zieht die ihre Robe enger um sich, als sie Xena die Steinstufen hinunter folgt.

 

GABRIELLE

Du bist diejenige mit dem Rattenkomplex.

 

XENA

Es ist kein Komplex. Ich hasse sie einfach.

 

Xena und Gabrielle verschwinden die Stufen hinab. Gerade als sie verschwinden, rennen einige Männer in die Gasse, sich überall umschauend. Nach einem Moment rennen sie an den Stufen vorbei und verschwinden.

 

SCHNITT ZU:

 

INNEN. ÄGYPTISCHER TEMPEL – UNBESTIMMTE ZEIT

 

Anubis hebt seine Hände hoch und das Chakram steigt langsam hoch und beginnt, sich zu drehen.

 

Anubis beginnt zu singen und das Chakram dreht sich schneller.

 

SCHNITT ZU:

 

INNEN. ÄGYPTISCHE KATAKOMBEN - TAG

 

Xena und Gabrielle kämpfen sich durch einen Korridor, der größtenteils dunkel ist. Xena trägt eine Fackel und deren Licht wird von Alkoven reflektiert, in denen still Körper liegen. Es gibt eine große Menge Staub überall und er stäubt hoch, wenn sie gehen. Gabrielle hat eine Falte ihrer Robe herumgezogen, um ihren Mund zu bedecken.

 

Ratten eilen überall herum. Xena vermeidet vorsichtig, auf sie zu treten, während sie herunter gefallene Brocken von Stein und Holz beiseite schiebt. Sie gehen an Sarkophaghüllen mit eleganten Schnitzereien vorbei und Gabrielle hält ein, um eine zu berühren.

 

GABRIELLE

Es ist wunderschön.

 

Xena sieht die Schnitzerei an. Sie zuckt mit den Schultern und geht weiter, ihren Weg findend durch die Erinnerung an das einzige Mal, das sie an diesem Ort war.

 

XENA

Verschwendung von einer Menge guter Schnitzarbeit.

Niemand kann sie hier unten sehen.

 

Gabrielle legt ihre Hand auf den Sarkophag, dreht sich dann um und folgt Xena.

 

GABRIELLE

Ja, ich stand sowieso nie wirklich auf Sargkunst.

(vor sich hinmurmelnd)

Besonders bei deinen.

 

 

Xena blickt zurück, als sie sie hört. Sie stoppt und wartet, bis Gabrielle sie einholt.

 

XENA

Bist du okay?

 

Gabrielle streift ihre Finger durch ihr Haar.

 

GABRIELLE

Ja. Du hasst Ratten.

Ich hasse Begräbnisfeuer. Komm.

 

Xena stoppt und legt ihren Arm um Gabrielle, zieht sie nahe heran und gibt ihr einen Kuss auf den Kopf. Gabrielle verharrt still für einen Moment, erwidert dann die Umarmung.

 

XENA

Wir sind fast draußen.

 

Gabrielle lächelt.

 

XENA

(weiter)

AUTSCH!

 

Gabrielle zuckt zusammen. Xena tritt eine Ratte von ihrem Fuß und sie beginnen, sich weiter zu bewegen.

 

Xena und Gabrielle gehen durch einen gewölbten Durchgang und finden einen riesigen, steinernen Block, der den Korridor füllt und ihnen den Weg versperrt. Es gibt keinen anderen Ausgang aus dem Raum als den, durch den sie eben gekommen sind.

 

Xena dreht sich um, um dahin zurückzuschauen, wo sie hergekommen sind. In der Dunkelheit sieht ein ganzes Feld rot glühender Augen zu ihr zurück.

 

XENA

(weiter)

Das beantwortet diese Frage.

 

 

Xena reicht Gabrielle die Fackel und fängt an, nach einem Weg zu suchen, den Felsen zu bewegen.

 

ÜBERBLENDE ZU:

 

INNEN. ÄGYPTISCHER TEMPEL - INNERE KAMMER - TAG

 

Ares geht auf und ab. Er ist alleine in der Kammer und er ignoriert den Tisch voller Essen und Wein, der eine Seite des Raumes flankiert.

 

Plötzlich ist ein klingelndes Geräusch zu hören. Ares stoppt und neigt lauschend seinen Kopf.

 

Ares lächelt.

 

ARES

Ahh... Nun, das ist Musik in meinen Ohren.

 

Ares eilt zu der inneren Tür und öffnet sie, hineinschauend. Über seine Schulter kann man Anubis' Gestalt erkennen, Augen geschlossen, Hände ausgestreckt.

 

Über dem Altar dreht sich das Chakram sehr schnell, offensichtlich auf etwas hinarbeitend.

 

Ares reckt seine Faust in die Luft.

 

ARES

(weiter)

Ja!

 

SCHNITT ZU:

 

INNEN. ÄGYPTISCHER TEMPEL - KATAKOMBEN - PORTALKAMMER

 

Es ist eine achteckige Kammer. Eine Seite ist der Eingang zu den unteren Katakomben, jetzt gefüllt mit Geröll. Xena kommt aus dem Geröll hervor ihre Hände entstaubend, während sie Teile der Steintafel aus dem Weg tritt.

 

Gabrielle kommt hinter ihr zum Vorschein. Sie durchqueren die innere Kammer und kommen zu einer großen, verzierten Tür. Sie ist verschlossen - aber von innen.

 

Xena legt ihre Hand auf den Riegel und beginnt, ihn zu heben, dann stoppt sie und lehnt sich gegen die Tür.

 

GABRIELLE

Xena?

 

Xena bleibt für einen kurzen Moment still.

 

XENA

Ares ist hier.

 

 

GABRIELLE

Oh. Großartig.

(pausierend)

Das vereinfacht die Dinge.

 

Xena sieht sie an.

 

XENA

Tut es?

 

Xena entriegelt die Tür und zieht sie auf. Drinnen kann man einen hohen, verzierten Gang mit einer halben Treppe sehen, gut beleuchtet und makellos in Ordnung gehalten.

 

Gabrielle beginnt, an ihr vorbei zu gehen und Xena greift nach ihrem Arm.

 

GABRIELLE

Was?

 

XENA

Geh und finde das Auge. Ich werde
Ares finden und sehen, ob ich in der Lage bin....

 

GABRIELLE

Okay.

 

Gabrielle dreht sich um und geht die Stufen ohne ein weiteres Wort hinauf. Xena sieht ihr nach, sich bewusst, dass irgendetwas nicht ganz in Ordnung ist.

 

XENA

Dafür ist jetzt keine Zeit.

 

Xena nimmt immer zwei Stufen auf einmal und geht in die andere Richtung, ihren Instinkten folgend.

 

SCHNITT ZU:

 

INNEN. ÄGYPTISCHER TEMPEL – KORRIDOR – MOMENTE SPÄTER

 

Gabrielle geht den Korridor entlang, vorsichtig an jeder Kreuzung stoppend und auf mögliche Gefahr horchend.

 

GABRIELLE

(murmelnd)

Geh, finde das Auge. Als ob ich wissen
soll, wo in diesem verdammten Mausoleum.

 

Gabrielle hört herannahende Stimmen. Sie duckt sich in eine Türnische und presst ihren Körper gegen den Stein.

 

 

Zwei Männer gehen vorbei, sich leise unterhaltend. Sie sehen Gabrielle nicht.

 

MANN

Der Pharao sieht Schatten in jeder

Ecke. Jetzt bittet er uns, fremde Frauen
zu finden. Wird das nie aufhören?

 

ÄLTERER MANN

Es ist die Prophezeiung, Ekmet. Psst.

 

Die Männer gehen außerhalb der Hörweite. Gabrielle tritt in den Flur zurück.

 

GABRIELLE

Großartig. Zufall. Wir tauchen auf,

sie wollen uns. Geschichte meines Lebens.

 

Gabrielle geht weiter den Flur entlang. Mehr Stimmen nähern sich. Dieses Mal sind es viele von ihnen. Gabrielle sieht sich nach einem Versteck um, sieht aber nur einen großen, verzierten Eingang ohne Nische.

 

Sie versucht die Tür und sie öffnet sich. Erleichtert geht sie hinein und schließt die Tür, gerade als ein Dutzend Männer daran vorbei den Flur entlang marschieren.

 

SCHNITT ZU:

 

INNEN. ÄGYPTISCHER TEMPEL - QETESHS ALTARRAUM.

 

Gabrielle stoppt abrupt. Sie sieht sich mit großer Überraschung in dem Raum um, in dem sie sich befindet. Er ist verschwenderisch ausgestattet. An einem Ende befindet sich ein Altar, aber die Wände sind mit Tüchern in hellen Farben behängt. Überall gibt es große Gefäße mit duftenden Ölen und der Geruch von Weihrauch ist fast überwältigend.

 

Gabrielle geht zu dem Altar. Auf ihm liegen viele Opfergaben ... schöne Schnitzereien, goldene Schmuckgegenstände und Blumen.

 

In dem Raum herrscht ein Gefühl von Frieden, das Gabrielle nirgendwo sonst im Tempel gespürt hat.

 

GABRIELLE

Das nenne ich schön.

 

 

Gabrielle studiert die Wände, auf denen sich Hieroglyphen und kompliziert geschnitzte Bilder befinden.

 

GABRIELLE

(weiter)

Ich frage mich, welche Art

Gottheit hier lebt?

 

Qetesh erscheint hinter Gabrielle, die sie nicht sieht. Qetesh geht langsam um Gabrielle herum und betrachtet sie mit großer Neugier.

 

Gabrielle geht hinüber zur Wand und zieht eines der Bilder nach, das eine schöne Frau zu zeigen scheint, mit vielen Menschen, die sich vor ihr verbeugen und ihr Opfer darbringen.

 

GABRIELLE

(weiter)

Eine geliebte, denke ich.

 

Qetesh scheint davon bezaubert. Sie geht herum, um vor Gabrielle zu stehen und wedelt mit den Fingern, um für sie sichtbar zu werden.

 

QETESH

Wer bist du?

 

Gabrielle blinzelt überrascht, aber, da sie während ihres Lebens viel mit Göttern zu tun hatte, nicht alarmiert.

 

GABRIELLE

Mein Name ist Gabrielle.

 

Qetesh lehnt sich gegen ihren Altar.

 

QETESH

Das ist ein seltsamer Name. Warum
bist du hergekommen? Du näherst
dich meinem Altar mit leeren Händen.

 

Gabrielle geht zur anderen Seite des Altars herum und begutachtet die Opfergaben.

 

GABRIELLE

Um was bitten dich diejenigen,
die hier herkommen?

 

QETESH

Um Liebe.

 

Gabrielle lächelt.

 

GABRIELLE

Die habe ich schon. Aber ich würde gern mit
dir über etwas sprechen, das ich suche.

 

 

Qetesh scheint davon überrascht. Sie steht auf und berührt die Wand nahe dem Altar. Sie öffnet sich unter ihren Fingerspitzen und enthüllt einen riesigen Schatz von Geschenken.

 

QETESH

Wenn du Liebe hast, warum bist
du dann gekommen? Schau, diese Dinge
sind mir als Gegenleistung für meine Aufmerksamkeit
gegeben worden. Sind sie nicht schön?

 

Gabrielles Augen werden zu einem Korb in der Mitte der Schatzkammer gezogen, aus dem locker eine Kette hängt. Sie ist befestigt am Auge des Hephästus.

 

GABRIELLE

Das sind sie sicher.

 

Qetesh ist von der Antwort sehr erfreut.

 

QETESH

Für jedes habe ich eine Liebe
des Herzens gewährt, wenn das Herz ehrlich war.

 

GABRIELLE

Und wenn nicht?

 

Qetesh lacht.

 

QETESH

Dann habe ich ein schönes Geschenk bekommen.

 

Gabrielle nähert sich langsam. Sie zeigt auf ein goldenes Schmuckstück.

 

GABRIELLE

Wer hat dir das gegeben?

Es ist sehr hübsch.

 

Die Göttin hebt es auf.

 

QETESH

Ein großer Mann am Hofe der
zweiten Dynastie. Er wollte, dass seine
Frau ihm einen Sohn gebärt.

 

GABRIELLE

Hat er seinen Wunsch bekommen?

 

 

QETESH

Er hat.

 

GABRIELLE

Du musst sehr mächtig sein, in dem Fall.

 Was ist mit diesem?

 

Gabrielle berührt das Auge. Qetesh bewegt sich weg, plötzlich ausweichend. Sie dreht sich und macht eine Bewegung und das Kabinett schließt sich, fast noch auf Gabrielles Händen.

 

QETESH

Erzähl mir mehr von dir, Gabrielle

mit dem seltsamen Namen. Warum bist du
hier, wenn es nicht Liebe ist, die du suchst?

 

Gabrielle ist in einer kleinen Zwickmühle.

 

GABRIELLE

Nun ja, es ist so. Ich bin hier auf
der Suche nach einem Geschenk für eine Freundin von mir.

 

QETESH

Ein Geschenk?

 

Gabrielle geht zum Altar und hebt eines der Opfer hoch, platziert es auf ihrer Hand und hält diese vor sich. Es ist eine kleine Statue eines Kamels, in Gold.

 

GABRIELLE

Genau wie dieses. Die Leute geben dir ein
Geschenk und du gibst ihnen eins zurück.

 

QETESH

Wenn sie würdig sind.

 

Gabrielle legt das Geschenk zurück.

 

GABRIELLE

Nun, Ich habe eine Freundin, die mir ein großartiges

Geschenk gemacht hat und ich will ihr etwas zurückgeben.

Zum Beispiel das Ding da drinnen.

 

QETESH

Da drinnen?

 

GABRIELLE

In deiner wundervollen Sammlung. Meine
Freundin würde es wirklich mögen. Könnte ich
dir etwas dagegen eintauschen?

 

 

Qetesh ist verunsichert. Sie ist es nicht gewöhnt, dass Sterbliche ihr Geschäfte vorschlagen. Sie geht hinüber zum Schränkchen und öffnet es, das Auge herausnehmend.

 

QETESH

Dies ist nicht etwas, was ich eintauschen würde. Es
wurde mir von einem sehr großen Mann gegeben,
einem sehr großen. Einem Gott. Er sagte, es würde
mich beschützen. Warum sollte ich es aufgeben?

 

GABRIELLE

Aber....

 

QETESH

Außerdem, was hast du mir zu geben?
Deine Hände sind leer.

 

Gabrielle zögert. Sie hat nichts außer ihren Waffen und den Kleidern auf ihrem Rücken. Ihr Ausdruck klärt sich plötzlich und sie lächelt.

 

GABRIELLE

Aber mein Herz ist voll. Ich denke, ich habe
etwas, das ich dir dafür eintauschen könnte.

 

 

QETESH

Ist es mächtig? Dies....

 

Sie hält das Auge hoch.

 

QETESH

(weiter)

Gibt mir große Macht.

Kann dein Geschenk dasselbe tun?

 

Gabrielle richtet sich auf und beginnt den Gürtel zu öffnen, der ihre Robe geschlossen hält.

 

GABRIELLE

Ich denke, es kann.

Warum finden wir es nicht heraus?

 

SCHNITT ZU:

 

INNEN. ÄGYPTISCHER TEMPEL - INNERE KAMMER – KURZE ZEIT SPÄTER

 

Ares steht im Eingang, beobachtend, was im Altarraum vor sich geht.

 

Die Tür hinter ihm öffnet sich und er dreht sich um, offensichtlich überhaupt nicht überrascht, Xena dort zu sehen.

 

ARES

Sieh an, sieh an. Hast ja lang genug gebraucht.

(lachend)

Du wirst langsamer, Xena.

Wirst alt.

 

Xena ignoriert ihn. Sie geht zu der Tür und sieht hinein, ihre Augen weiten sich, als sie den Gott und das sich drehende Chakram sieht.

 

XENA

Was macht er?

 

Ares tritt vor sie und schließt die Tür.

 

ARES

Das findest du noch früh genug heraus.

 

Jetzt dreht Xena sich um, um Ares anzusehen.

 

XENA

Was hast du jetzt vor?

Herabgesunken zum Stehlen, Ares?

 

Ares lacht. Er geht zu ihr herüber und legt seinen Arm um ihre Schulter.

 

ARES

Ich behebe dein Problem, Xena.

 

XENA

Mein Problem? Ares, im Moment

bist du mein Problem. Kannst du das beheben?

 

 

ARES

Xena, Xena, Xena.

(schnalzend)

Die Dinge fingen an, für dich bergab zu gehen,
als du all dieses nette…
Zeug... in mein schönes Geschenk gepackt hast.

 

Ares reicht herüber und greift ihren Kiefer.

 

ARES

(weiter)

Ich nehme es raus.

(in sich hinein lachend)

Es wird ein himmelweiter Unterschied sein.

Ich verspreche es dir.

 

Xena befreit sich und schubst Ares weg.

 

XENA

Du hast sie nicht mehr alle.

 

Ares sieht runter.

 

ARES

Sieht man das?

(Xena ansehend)

Vielleicht hatte ich Unrecht, so hart
das auch zu glauben sein mag. Verschwinde, Xena.

Ich brauche deine Predigten nicht.

 

XENA

Die Welt braucht deine
Einmischung nicht.

 

Ein lautes Krachen ertönt, durch die Wände zurückstrahlend. Ares dreht sich, um die geschlossene Tür anzusehen und lacht.

 

ARES

Schätze, wir werden es herausfinden, oder?

 

Ares schnippt mit den Fingern und verschwindet. Xena wirft sich auf ihn und greift nach seinem Schatten, aber das einzige, was bleibt ist sein Lachen, das durch den Raum hallt.

 

XENA

Bastard!

 

Xena geht zur Tür und versucht, sie zu öffnen, aber sie ist fest verschlossen, die Kanten mit Metall abgeschlossen und so fest befestigt, dass sie sich nicht einmal bewegt, als sie mit ganzer Kraft daran reißt.

 

XENA

(weiter)

ARES!!!!!!

 

Ares' Gelächter hallt immer noch wider.

 

ARES

(aus dem Off)

Es gehört mir, Xena. Ich habe es zurück genommen.

(lachend)

Wenn du das erstmal fühlst… wirst du
auch zu mir zurück gekrochen kommen. Wart's nur ab.

 

Die Echos verblassen. Xena hämmert ihre Fäuste gegen die Tür. Sie lehnt sich dagegen und neigt den Kopf in einer Horchstellung, als ob sie etwas durch die Tür hindurch fühlen kann.

 

XENA

Nein.

 

 

Xenas Augen schließen sich, als sie fühlt, wie sich das Chakram trennt.

 

XENA

(weiter)

(flüsternd)

Nein.

 

ABBLENDE.

 

ENDE DES DRITTEN AKTES

 

AKT 4